Professor Dr. Dr. h.c. Hans Köchler

Institut für Philosophie der Universität Innsbruck
 

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2009/2010

 

http://hanskoechler.com/

hans.koechler@uibk.ac.at

(I) Vorlesung: Phänomenologie

(II) Seminar: Politische Anthropologie

(III) Privatissimum: Terror und der Mythos der westlichen Zivilisation


Vorlesung, Dienstag, 13-15 Uhr, Hörsaal 6, Innrain 52B (Gebäude der Geisteswissenschaften)

PHÄNOMENOLOGIE

 

Thematik:

Die phänomenologische Schule zählt zu den einflussreichsten Richtungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Die ursprünglich als philosophische Methodenlehre konzipierte "Phänomenologie" hat nicht nur einen neuen Ansatz in der Erkenntnistheorie begründet und für Heideggers Existenzialontologie sowie den nachfolgenden Existenzialismus das methodische Rüstzeug geliefert, sondern eine Neuorientierung - in manchen Bereichen auch einen Paradigmenwechsel - in der Anthropologie, Psychiatrie, Psychologie  und den Geisteswissenschaften herbeigeführt.

Das phänomenologische Denkmotiv, ausgedrückt in der Devise "Zu den Sachen selbst!", soll in seiner Entfaltung bei Edmund Husserl analysiert werden. Dessen Denkweg  - von einer antimetaphysischen, geradezu empiristischen Orientierung über eine transzendentale Analyse der Bedingungen der Erfahrung hin zu einem ontologischen Idealismus der "reinen transzendentalen Subjektivität" - soll rekonstruiert und als Beispiel für einen "systeminternen" Paradigmenwechsel untersucht werden, in dessen Verlauf der ursprünglich realistische Ansatz des frühen Husserl in sein Gegenteil umschlägt. Die Dichotomie von Idealismus und Realismus soll auch am Beispiel der unterschiedlichen Schulen der Phänomenologie erläutert werden.

Die Vorlesung geht zunächst auf die Evidenzproblematik bei Brentano und Husserl ein und skizziert sodann die Ausarbeitung der phänomenologischen Methode in den wichtigsten Werken Husserls. Dabei wird auf die Reduktionslehre und deren idealistische Implikationen besonderes Augenmerk gelegt und anhand der Ambivalenz des Begriffes φαινόμενον gezeigt, dass die transzendentale Wende einer zunächst objektivistisch (bzw. realistisch) interpretierten Erkenntnistheorie kein ideengeschichtlicher Einzelfall war, sondern in der idealistischen Wende der nachkantischen Philosophie des 19. Jahrhunderts vorweggenommen wurde (auch wenn Husserl selbst dies nicht zur Kenntnis genommen hat). Eingegangen wird auch auf die Münchner-Göttinger Schule der Phänomenologie (z.B. Hedwig Conrad-Martius), die den ursprünglich realistischen Denkansatz Husserls beibehalten hat und ihm auf seinem Weg in Richtung der ontologischen Absolutsetzung des "reinen" Subjektes nicht gefolgt ist. Die Anwendung von Husserls Methode wird sodann am Beispiel der Existenzialontologie (insbesondere von Martin Heideggers "Sein und Zeit") und des existenzialistischen Ansatzes von Jean-Paul Sartre dargestellt. Schließlich wird das phänomenologische Paradigma exemplarisch in den anthropologischen Entwürfen von Max Scheler und Helmuth Plessner sowie in der Psychiatrie und der politischen Philosophie untersucht.

Abschließend wird die Phänomenologie als erkenntnistheoretische Methode (nicht als Programm eines ontologischen Idealismus) in den Kontext der transzendentalphilosophischen Tradition seit Kant gestellt und ein Entwurf einer "phänomenologischen Skepsis" skizziert.

 

Literatur (Auswahl):

  • Theodor W. Adorno, Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Studien über Husserl und die phänomenologischen Antinomien. Stuttgart 1956.

  • Ludwig Binswanger, Melancholie und Manie. Phänomenologische Studien. Pfullingen 1960.

  • Ludwig Binswanger, Grundformen und Erkenntnis menschlichen Daseins. München u.a. 41964.

  • Franz Brentano, Wahrheit und Evidenz. Erkenntnistheoretische Abhandlungen und Briefe, ausgewählt, erläutert und eingeleitet von Oskar Kraus. Leipzig 1930.

  • Franz Brentano, Versuch über die Erkenntnis. (Hrsg. A. Kastil.) Leipzig 1925.

  • Franz Brentano, Die Lehre vom richtigen Urteil. (Hrsg. Franziska Mayer-Hillebrand.) Bern 1959.

  • Hedwig Conrad-Martius, Der Selbstaufbau der Natur. München 21961.

  • Hedwig Conrad-Martius, "Die transzendentale und die ontologische Phänomenologie", in: Schriften zur Philosophie, Band III. (Hrsg. E. Avé-Lallemant.) München 1965, S. 393-402.

  • Henry Corbin, L'imagination créatrice dans le soufisme d'Ibn Arabî. Paris 21977.

  • Alwin Diemer, Edmund Husserl. Versuch einer systematischen Darstellung seiner Phänomenologie. Meisenheim a. G. 1956.

  • Martin Heidegger, Sein und Zeit. Tübingen 111967.

  • Martin Heidegger, Zur Sache des Denkens. Tübingen 1969.

  • Martin Heidegger - Eugen Fink, Heraklit. Seminar Wintersemester 1966/1967. Frankfurt a.M. 1970.

  • Max Herzog, Weltentwürfe. Ludwig Binswangers phänomenologische Psychologie. Berlin 1994.

  • Edmund Husserl, Logische Untersuchungen. Band II/1, Band II/2. Halle a.d.S. 31922.

  • Edmund Husserl, Formale und transzendentale Logik. Versuch einer Kritik der logischen Vernunft. Halle a.d.S. 1929.

  • Edmund Husserl, Grundprobleme der Phänomenologie. 1910/11. (Hrsg. Iso Kern.) Den Haag 1977. (Edmund Husserl Studienausgabe)

  • Edmund Husserl, Cartesianische Meditationen. (Husserliana, Bd. I.) Den Haag 1950.

  • Edmund Husserl, Die Idee der Phänomenologie. Fünf Vorlesungen. Hrsg. v. Walter Biemel. (Husserliana, Bd. II.) Den Haag 1950.

  • Edmund Husserl, Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. 3 Bände. (Husserliana, Bd. III, IV, V.) Den Haag 1950-1952.

  • Edmund Husserl, Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie. (Husserliana, Bd. VI.) Den Haag 1954.

  • Edmund Husserl, Erste Philosophie (1923/24), II: Theorie der phänomenologischen Reduktion. (Husserliana, Bd. VIII.) Den Haag 1959.

  • Edmund Husserl, Phänomenologische Psychologie. Vorlesungen Sommersemester 1925. Hrsg. v. Walter Biemel. (Husserliana, Bd. IX.) Den Haag 1962.

  • Roman Ingarden, Der Streit um die Existenz der Welt. Bd. 1: Existentialontologie; Bd. 2/1: Formalontologie, 1. Teil; Bd. 2/2: Formalontologie, 2. Teil. Tübingen 1964-1974.

  • Roman Ingarden, On the Motives which led Husserl to Transcendental Idealism. Den Haag 1975. (Phaenomenologica, Bd. 64.)

  • Paul Janssen, Geschichte und Lebenswelt. Ein Beitrag zur Diskussion von Husserls Spätwerk. Den Haag 1970.

  • Iso Kern, "Die Lebenswelt als Grundlagenproblem der objektiven Wissenschaften und als universales Wahrheits- und Seinsproblem", in: Elisabeth Ströker, Hrsg. (1979), S. 68-78.

  • Hans Köchler, Die Subjekt-Objekt-Dialektik in der transzendentalen Phänomenologie. Das Seinsproblem zwischen Idealismus und Realismus. Meisenheim a. G. 1974.

  • Hans Köchler, "Das apriorische Moment der Subjekt-Objekt-Dialektik in der transzendentalen Phänomenologie", in: Zeitschrift für philosophische Forschung, Bd. 29 (1975), S. 206-217.

  • Hans Köchler, "Die phänomenologisch-ontologische Grundlage der Anthropologie von Karol Wojtyla", in: Salzburger Jahrbuch für Philosophie, Bd. 25 (1980), S. 157-163.

  • Hans Köchler, "Phänomenologische Skepsis", in: Revue de Métaphysique et de Morale, Bd. 88, Nr. 2 (April-Juni 1983), S. 164-177.

  • Hans Köchler, Phenomenological Realism. Selected Essays. Frankfurt a.M. / Bern 1986.

  • Hans Köchler, "Husserls transzendentaler Idealismus und Brentanos Erkenntnistheorie. Zum Stellenwert des Evidenzbegriffes im idealistischen System der Phänomenologie", in: Angelica Bäumer, Michael Benedikt (Hrsg.), Gelehrtenrepublik – Lebenswelt. Edmund Husserl und Alfred Schütz in der Krisis der phänomenologischen Bewegung. Wien 1993, S. 93-110.

  • Julius Kraft, Von Husserl zu Heidegger. Kritik der phänomenologischen Philosophie. Frankfurt a.M. 21957.

  • Helmut Kuhn et al. (Hrsg.), Die Münchener Phänomenologie. Vorträge des internationalen Kongresses in München 13.-18. April 1971. Den Haag 1975. (Phaenomenologica, Bd. 65.)

  • Gerhard Leibholz, Das Wesen der Repräsentation und der Gestaltwandel der Demokratie im 20. Jahrhundert. Berlin 31966.

  • Emmanuel Levinas, Théorie de l'intuition dans la phénoménologie de Husserl. Paris 41978.

  • Roxanne Marcotte, "Phenomenology through the eyes of an Iranologist: Henry Corbin (1903-1978)", in: Bulletin of the Henry Martyn Institute of Islamic Studies, Bd. 14 (Januar-Juni 1995), S. 55-70.

  • Maurice Merleau-Ponty, Phénoménologie de la perception. Paris 1945.

  • Alexander Pfänder, Philosophie auf phänomenologischer Grundlage. Einleitung in die Philosophie und Phänomenologie. (Schriften aus dem Nachlass, Bd. 1, hrsg. v. H. Spiegelberg.) München 1973.

  • Phänomenologie heute. Grundlagen- und Methodenprobleme. Freiburg / München 1975. (Phänomenologische Forschungen, Bd. 1.)

  • Helmuth Plessner, Die Stufen des Organischen und der Mensch. Einleitung in die philosophische Anthropologie. Berlin 21965.

  • Adolf Reinach, Was ist Phänomenologie? München 1951.

  • William J. Richardson, Heidegger. Through Phenomenology to Thought. Preface by Martin Heidegger. Den Haag 31974.

  • Paul Ricoeur, "Phénoménologie et herméneutique", in: Phänomenologie heute (1975), S. 31-77.

  • Heinrich Rombach, "Phänomenologie heute", in: Phänomenologie heute (1975), S. 11-30.

  • Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts. Hamburg 1952.

  • Max Scheler, Zur Phänomenologie und Theorie der Sympathiegefühle und von Liebe und Hass. Mit einem Anhang über den Grund zur Annahme der Existenz des fremden Ich. Halle a.d.S. 1913.

  • Max Scheler, Die Stellung des Menschen im Kosmos. (Hrsg. Manfred S. Frings.) Bonn 162005.

  • Max Scheler, "Phänomenologie und Erkenntnistheorie", in: Schriften aus dem Nachlaß, Bd. I. Bern 21957.

  • Edith Stein, Endliches und ewiges Sein. Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins. (Gesammelte Werke, Band II.) Louvain / Freiburg 1950.

  • Stephan Strasser, Phänomenologie und Erfahrungswissenschaft vom Menschen. Grundgedanken zu einem neuen Ideal der Wissenschaftlichkeit. Berlin 1964.

  • Elisabeth Ströker (Hrsg.), Lebenswelt und Wissenschaft in der Philosophie Edmund Husserls. Frankfurt a.M. 1979.

  • Alphonse de Waelhens, Phénoménologie et vérité. Essai sur l'évolution de l'idée de vérité chez Husserl et Heidegger. Paris 1953.

  • Karol Wojtyła, The Acting Person. Dordrecht / Boston 1979. (Analecta Husserliana, Bd. X)

  • Wilhelm Szilasi, Einführung in die Phänomenologie Edmund Husserls. Tübingen 1959.

Modus:
Vorlesung mit mündlicher Prüfung.

Beginn: 6. Oktober 2009.

 


Seminar, Dienstag, 15-17 Uhr, Seminarraum 40935, Innrain 52B, 9. Stock
 

POLITISCHE ANTHROPOLOGIE

Gem. m. Dr. Marie-Luisa Frick

© Hans Köchler, 2009

Konzept:

"Panem et circenses" scheint der tatsächliche, wenngleich uneingestandene, Leitspruch derjenigen zu sein, welche die politische Ordnung in der modernen Industriegesellschaft repräsentieren und organisieren. Im Unterschied zur offiziellen Doktrin - zum Ideal - der Demokratie orientiert sich die reale Politik nicht am Verständnis des Menschen als autonomen Subjektes im kantischen Sinne, sondern richtet sich auf ihn als Objekt der Unterhaltung und interessengesteuerten Information, mit deren Hilfe das jeweils gewünschte Verhalten erzielt werden soll. Diese Strategie der Machtausübung folgt unmittelbar aus der Praxis der repräsentativen Demokratie, die sich im Sinne von Schumpeters Definition nicht an einem abstrakten Ideal des (freien) Bürgertums ausrichtet, sondern im "Konkurrenzkampf um die Stimme des Volkes" zwecks Erlangung der Entscheidungsbefugnis besteht.

Der Philosoph hat die Frage nach dem dieser Praxis zugrundeliegenden Menschenverständnis - nach der impliziten Anthropologie des jeweiligen Demokratiemodelles - zu stellen. Besondere Bedeutung kommt dabei einer Analyse der Rolle der Medien in der angeblichen "Informationsgesellschaft" zu - vor allem in den sich als "demokratisch" definierenden und legitimierenden Systemen. Es wird zu untersuchen sein, inwiefern die durch die Massenmedien ("main stream media" /MSM) betriebene Meinungsbildung, die oftmals glatter Desinformation gleichkommt, mit dem offiziell propagierten Ideal des mündigen Bürgers vereinbar ist, der seine "Wahlentscheidung" souverän und unbeeinflusst treffen sollte - unter Inanspruchnahme der ihm garantierten Informationsfreiheit, und nicht gemäß einheitlichen Denkvorgaben seitens demokratisch nicht legitimierter Instanzen.

Des weiteren kann ein struktureller Vergleich zwischen den Menschenbildern unterschiedlicher politischer Organisationsformen zu einem besseren Verständnis der zumeist nicht offen deklarierten Mechanismen der Machtausübung im jeweiligen System führen und konkret auch zu einer präziseren Verwendung des Begriffes "Demokratie" beitragen. Man wird um die Frage nicht umhin kommen, was eigentlich den Unterschied zwischen demokratischer und autoritärer Herrschaft ausmacht, wenn das imperialer und repräsentativer (parlamentarischer) Machtausübung zugrundeliegende Menschenbild strukturell identisch sein sollte.

Analog zu der Frage nach dem der politischen Praxis zugrundeliegenden Menschenverständnis wird - sozusagen spiegelbildlich - zu untersuchen sein, welche Art von Person (welcher Persönlichkeitstypus) im jeweiligen System als Politiker reüssiert. Auch hier geht es um Ideologiekritik im ursprünglichen Sinne, d.h. um die Hinterfragung des vom Politiker artikulierten Selbst- und Rollenverständnisses. Die Philosophie hat zudem die Frage zu stellen, inwiefern das Verständnis des Menschen als  ζῷον πολιτικόν tatsächlich die Unterscheidung zwischen dem der Herrschaft unterworfener Bürger und dem mit Entscheidungsbefugnis ausgestatteten Politiker (als Funktionsträger es Gemeinwesens) erfordert  - oder ob es eine Alternative zu dieser Dichotomie und der in ihr sich manifestierenden "politischen Anthropologie" gibt.

Fragen und Themenstellungen (Auswahl):

  •  Der Mensch als ζῷον πολιτικόν

  • Zur Korrelation von Staatsformen und Menschenbildern

  • "Macht und Herrschaft": Auswirkungen politischer Organisation auf die Persönlichkeit

  • "Masse und Macht" (Elias Canetti)

  • Politik als Massenphänomen

  • Politisches Handeln und die Grenzen der Individualität

  • Der Mensch als autonomes Subjekt: Grundlage von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit?

  •  Das Menschenbild in der Konzeption des platonischen Ständestaates

  • Das Menschenbild der direkten Demokratie (Jean-Jacques Rousseau)

  • Der Mensch als autonomes Subjekt (Kant): Implikationen für das politische System

  • Politik als Repräsentation: die anthropologischen Implikationen

  • Das Menschenbild in der politischen Philosophie von Carl Schmitt

  •  Das Problem der politischen Autonomie in der Industriegesellschaft (Marcuse)

  • Das Menschenbild des Totalitarismus

  • Die politischen Implikationen des Heideggerschen Menschenbildes

  • Demokratie als Informationsdiktatur? Das Menschenbild bei Walter Lippmann

  • Politik und der Zwang zur Konformität (Zum Stellenwert der "political correctness")

  • Die politische Anthropologie des modernen Rassismus

  • Das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Kollektiv

  • Multikulturalität und ihre Konsequenzen für das moderne Staatsverständnis

  • Faschismusanfälligkeit in modernen Mehrparteiensystemen (am Beispiel des Fremdenhasses und des Antiislamismus)

  • Der Menschentypus des Politikers ("Politik und Charakter")

Literaturhinweise:

  • Aristoteles, Politik. Übers. von Franz Susemihl. Reinbek b. Hamburg 1994.

  • Georges Balandier, Anthropologie politique. Paris 31978.

  • Elias Canetti, Masse und Macht. Hamburg 1960.

  • Pierre Clastres, Staatsfeinde. Studien zur politischen Anthropologie. Frankfurt a.M. 1976.

  • Arnold Gehlen, Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt. Wiesbaden 131986.

  • Arnold Gehlen, Urmensch und Spätkultur. Philosophische Ergebnisse und Aussagen. (Studienausgabe der Hauptwerke.) Wiesbaden 51986.

  • Andreas Heyer, Die politische Dimension der Anthropologie. Zur Einheit des Werkes von Jean-Jacques Rousseau. Frankfurt a.M. / Wien u.a. 2006.

  • Otfried Höffe (Hrsg.), Platon - Politeia. Berlin 1997.

  • Otfried Höffe (Hrsg.), Aristotles: Politik. (Reihe Klassiker auslegen.) Berlin 2001.

  • Ralf Jeremias, Vernunft und Charisma. Die Begründung der Politischen Theorie bei Dante und Machiavelli - im Blick Max Webers. Konstanz 2005.

  • Dirk Jörke, Politische Anthropologie. Eine Einführung. (Studienbücher Politische Theorie und Ideengeschichte.) Wiesbaden 2005.

  • Dirk Jörke und Bernd Ladwig (Hrsg.), Politische Anthropologie. Geschichte - Gegenwart - Möglichkeiten. Baden-Baden 2009.

  • Angela Kallhoff (Hrsg.), Martha C. Nussbaum: Ethics and Political Philosophy. Lecture and Colloquium in Münster 2000. Münster 2001.

  • Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Frankfurt a.M.  / Leipzig 41797.

  • Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. (Herausgegeben und eingeleitet von Wolfgang Becker.) Stuttgart 1983. (Reclams Universalbibliothek)

  • Hans Köchler, Skepsis und Gesellschaftskritik im Denken Martin Heideggers. Meisenheim a.G. 1978.

  • Hans Köchler, Politik und Theologie bei Heidegger. Politischer Aktionismus und theologische Mystik nach "Sein und Zeit". (Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft für Wissenschaft und Politik an der Universität Innsbruck, Bd. VII.) Innsbruck 1991.

  • Hans Köchler, "Philosophical Aspects of Globalization. Basic Theses on the Interrelation of Economics, Politics, Morals and Metaphysics in a Globalized World", in: Hans Köchler (Hrsg.), Globality versus Democracy? (Studies in International Relations, XXV.) Wien 2000, S. 3-18.

  • Hans Köchler, "The Changing Nature of Power and the Erosion of Democracy in the Era of Technology: Challenges to the Philosophy of Law", in: Perspectives of Philosophy in the 21st Century. International Academy of Philosophy, Proceeedings of the Second Annual Conference, Athens, November 24-26, 2006. [Athen] 2007, S. 128-146.

  • Gustave Le Bon, Psychologie der Massen. (Übers. v. Rudolf Eisler.) Hamburg 2009.

  • Gerhard Leibholz, Das Wesen der Repräsentation und der Gestaltwandel der Demokratie im 20. Jahrhundert. Berlin 31966.

  • Walter Lippmann, Die sittliche Lebensform des modernen Menschen. Stuttgart u.a. 1930.

  • Walter Lippmann, Die öffentliche Meinung. München 1964.

  • Niklas Luhmann, Macht. Stuttgart 1975.

  • Niccolò Machiavelli, Der Fürst. (Übers. v. Friedrich Blaschke.) Wiesbaden 1980.

  • Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. München 2005.

  • David Nugent und Joan Vincent (Hrsg.), A Companion to the Anthropology of Politics. Malden (MA) 2004.

  • Martha C. Nussbaum, Gerechtigkeit oder das gute Leben. Frankfurt a.M. 1999.

  • Martha C. Nussbaum, For Love of Country? (Hrsg. Joshua Cohen.) Boston 2002.

  • Martha C. Nussbaum , Julian Nida-Rümelin, Wolfgang Thierse (Hrsg.), Für eine aristotelische Sozialdemokratie. Essen 2002.

  • Platon, Der Staat. (Politeia.) Übers. u. hrsg. v. Karl Vretska. Stuttgart 1991.

  • Carl Schmitt, Verfassungslehre. Berlin 92003. (Erstausgabe 1928)

  • Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien. Berlin 72002.

  • Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. (Einführung von Eberhard K. Seifert.) Tübingen / Basel 82005.

  • Wolfgang Seeger, Der Mensch und die Politik. Eine politische Anthropologie der Gegenwart. Mainz 1971.

  • Aradhana Sharma und Akhil Gupta (Hrsg.), The Anthropology of the State. A Reader. Oxford / Malden (MA) 2006.

  • Dolf Sternberger, Drei Wurzeln der Politik. Frankfurt a.M. 1978.

  • Charles Taylor, Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung. (Hrsg. Amy Gutmann.) Frankfurt a.M. 1997.

  • Michel-Rolph Trouillot, "The Anthropology of the State in the Age of Globalization: Close Encounters of the Deceptive Kind", in: Current Anthropology, Bd. 42, Nr. 1 (Februar 2001), S. 125-138.

  • Max Weber, Politik als Beruf. (Nachwort von Ralf Dahrendorf.) Stuttgart 1997.

  • Ludwig Woltmann, Politische Anthropologie. Eine Untersuchung über den Einfluss der Descendenztheorie auf die Lehre von der politischen Entwicklung der Völker. Jena 1908.

N.B.: Eine Anführung in den Literaturhinweisen bedeutet nicht notwendigerweise, daß sich der LV-Leiter mit den Inhalten des jeweiligen Werkes identifiziert.

Modus:

Referat mit schriftlicher Arbeit, welche spätestens zum Ende der Lehrveranstaltungsperiode in digitaler Form (mit einem Ausdruck) abzugeben ist. Für das Referat muß ein Abstract vorbereitet werden. Von den Teilnehmern können zusätzliche, hier nicht angeführte Publikationen herangezogen und weitere Themen eingebracht werden. Die endgültige Themenliste wird in der Vorbesprechung erarbeitet. Eine Teilnahme ist nur im Zusammenhang mit einem Referat möglich. Für die Benotung werden neben der schriftlichen Arbeit auch das Referat und die Diskussionsteilnahme berücksichtigt.

Vorbesprechung: 6. Oktober 2009.

 

Privatissimum, Dienstag, 17-19 Uhr, Seminarraum 15, Institut für Philosophie, Innrain 52B, 8. Stock
 

TERROR UND DER MYTHOS DER WESTLICHEN ZIVILISATION

© Hans Köchler, 2009

Doğruyu söyleyen dokuz köyden kovulur.

(Wer die Wahrheit sagt, wird aus neun Dörfern vertrieben.)

Thematik:

Seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Verschwinden des Feindbildes des Kommunismus hat sich in der westlichen Welt ein neuer antagonistischer Diskurs etabliert, der die angebliche Bedrohung der westlichen Zivilisation durch ihr feindlich gesonnene Weltanschauungen und Wertsysteme zum Inhalt hat, wobei dem Islam die zentrale Rolle in der Verkörperung des schlechthin "Anderen" zukommt, gegen das es sich zu wappnen gelte. Das neue Paradigma vom "Konflikt der Zivilisationen", das von Samuel Huntington, einem ehemaligen Mitarbeiter des National Security Council der Vereinigten Staaten, weltweit popularisiert worden war, wurde insbesondere auf die Interpretation der Ereignisse des 11. September 2001 in New York City, Washington DC und Pennsylvania angewendet, ohne dass deren Ursachen bis jetzt wissenschaftlich und kriminaltechnisch umfassend und unabhängig erforscht worden wären.

Die tragischen Geschehnisse und deren - in kriminologischer wie ideologischer Hinsicht voreilige - Interpretation wurden in der Folge Grundlage eines Narratives ("Mythos"), mit dem ein sog. "globaler Krieg gegen den Terror" gerechtfertigt werden soll, der die in bzw. gegen Afghanistan, Irak, Pakistan usw. geführten Kriege einschließt und faktisch einen weltweiten Herrschaftsanspruch im Namen "der (westlichen) Zivilisation" impliziert. Der Philosoph als public intellectual kann sich der Verantwortung nicht entziehen, das zur Legitimation dieser Aktionen herangezogene Feindbild (a) auf die historischen Tatsachen und (b) auf die konkrete Interessenlage zu hinterfragen. Insbesondere geht es dabei um eine globale Standortbestimmung der "westlichen Zivilisation", die Herausbildung ihrer Identität in der Wechselwirkung mit anderen Zivilisationen ("Zivilisationshermeneutik"), und die Analyse der tatsächlichen "Bedrohungslage". In der Philosophie gelten nicht die Maximen der sich schnell wandelnden political correctness, sondern einzig die Kriterien der Vernunft und die Verpflichtung zur Suche nach der Wahrheit.

Besonderes Augenmerk soll auf den Umstand gelegt werden, dass im Spannungsfeld von (angeblicher) terroristischer Bedrohung und zivilisatorischer Selbstbehauptung ein herrschaftsfreier Diskurs faktisch unmöglich geworden ist, was sich auch in der Uniformität der Berichterstattung in den Massenmedien ausdrückt, die eine kritische Hinterfragung der Rechtfertigungsgründe für den Krieg gegen den Terror mithilfe des Reizwortes "Verschwörungstheorie" fast zur Gänze abblocken. Der dadurch erzeugte Anpassungsdruck bedeutet, dass die große Mehrzahl der in der Öffentlichkeit agierenden Persönlichkeiten aus rein opportunistischen Gründen dem "Mythos der westlichen Zivilisation" Vorschub leistet, ohne sich jemals mit der Faktenlage (was tatsächliche oder vermeintliche terroristische Ereignisse betrifft) oder mit den Grundzügen der "anderen" Zivilisation, von der die Bedrohung der eigenen zivilisatorischen Existenz ausgehen soll, auseinandergesetzt zu haben. Die Problematik soll anhand von Einzelbeispielen analysiert werden.

 

Literaturhinweise:

  • Jeffrey Anderson, G. John Ikenberry, Thomas Risse (eds.), The End of the West? Crisis and Change in the Atlantic Order. Ithaca: Cornell University Press, 2008.

  • Thomas Auchter (Hrsg.), Der 11. September. Psychoanalytische, psychosiziale und psychohistorische Analysen von Terror und Trauma. Gießen: Psychosozial-Verlag, 2003.

  • Cheryl Benard, Civil Democratic Islam. Partners, Resources, and Strategies. Santa Monica: RAND Corporation, 2003. (RAND, National Security Research Division)

  • Werner Biermann und Arno Klönne, Ein Kreuzzug für die Zivilisation? Internationaler Terrorismus, Afghanistan und die Kriege der Zukunft. Cologne: Papy-Rossa-Verlag, 2002.

  • Richard Bonney, False Prophets: The "Clash of Civilizations" and the Global War on Terror. Oxford: Peter Lang, 2008.

  • Patrick J. Buchanan, The Death of the West: How Dying Populations and Immigrant Invasions Imperil our Country and Civilization. New York: Thomas Dunne Books, 2002.

  • Elias Davidsson, "Die Anschläge in Mumbai," in: Neue Rheinische Zeitung, 24 December 2008.

  • Dinesh D'souza, The Enemy at Home: The Cultural Left and its Responsibility for 9/11. New York: Doubleday, 2007.

  • Richard English, Terrorism: How to Respond. Oxford / New York: Oxford University Press, 2009.

  • Anthony Esolen, The Politically Incorrect Guide to Western Civilization. Washington, DC: Regnery Publishing, 2008.

  • Oriana Fallaci, The Rage and the Pride [Rabbia e l'orgoglio]. New York: Rizzoli, 2002.

  • Allysia Finley, "Waging War over Western Civilization," in: The Stanford Review, Vol. XLI, Issue 3, 26 October 2008.

  • Robert Fisk, The Great War for Civilisation: The Conquest of the Middle East. London etc.: Haper Perennial, rev. ed. 2006.

  • David Ray Griffin and Peter Dale Scott (eds.), 9/11 and American Empire: Intellectuals Speak Out. Northampton (MA): Olive Branch Press, 2006.

  • Jochen Hippler, Krieg, Repression, Terrorismus. Politische Gewalt und Zivilisation in westlichen und muslimischen Gesellschaften. Eine Studie. Stuttgart: Institut für Auslandsbeziehungen, 2006.

  • Murad Wilfried Hofmann, Der Islam im 3. Jahrtausend. Eine Religion im Aufbruch. Munich: Diederichs, 2nd ed. 2001.

  • Samuel P. Huntington, “The Clash of Civilizations?,” in: Foreign Affairs, Vol. 72, No. 3, Summer 1993, pp. 22-49.

  • Samuel P. Huntington, The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order. New York etc.: Simon & Schuster, 1998.

  • Oliver Janich, "Terroranschläge vom 11. September 2001: Wir glauben euch nicht!," in: FOCUS-MONEY, No. 2/2010, 5 January 2010, pp. 74-78.

  • Hans Köchler, "The Clash of Civilizations Revisited," in: Hans Köchler and Gudrun Grabher (eds.), Civilizations: Conflict or Dialogue? (Studies in International Relations, XXIV.) Vienna: International Progress Organization, 1999, pp. 15-24.

  • Hans Köchler, "The 'Clash of Civilizations,' the Problem of Terrorism and Strategies towards Peaceful Co-existence among Nations." ASEM Youth Dialogue on Globalisation, 19-22 September 2002, Hillerød, Denmark.

  • Hans Köchler, Muslim-Christian Ties in Europe. Past, Present & Future. Penang, Malaysia: Citizens International, 2004.

  • Hans Köchler, "Civilization as Instrument of World Order? The Role of the Civilizational Paradigm in the Absence of Balance of Power," in: IKIM Journal of Islam and International Affairs / Jurnal Islam dan hubungan antarabangsa IKIM, Vol. 2, No. 3 (2008), pp. 1-22. - Online Paper 2006

  • Hans Köchler (ed.), The "Global War on Terror" and the Question of World Order. (Studies in International Relations, XXX.) Vienna: International Progress Organization, 2008.

  • Hans Köchler, "The Global War on Terror and the Metaphysical Enemy," in: Hans Köchler (2008), pp. 13-35.

  • [Hans Köchler], "U.N. Observer Says Governments Using Terror to Instill Fear in Communities." The Public Record, 28 June 2008.

  • Hans Köchler, World Order: Vision and Reality. Collected Papers Edited by David Armstrong. New Delhi: Manak, 2009.

  • James Kurth, What are We Fighting For? Western Civilization, American Identity, and U.S. Foreign Policy. Foreign Policy Research Institute, Center for the Study of America and the West. January 2009.

  • Eric Laurent, La face cachée du 11 septembre. Paris: Plon, 2004.

  • Bernard Lewis, "The Roots of Muslim Rage," in: The Atlantic Monthly, Vol. 266, No. 3 (September 1990), pp. 47–60.

  • Bernard Lewis, What Went Wrong? The Clash between Islam and Modernity in the Middle East. New York: Perennial, 2003.

  • John Lewis, "Hatred of Western Civilization: Why Terrorists Attacked America," in: Capitalism Magazine, 20 September 2001.

  • Eric Neumayer, "International Terrorism and the Clash of Civilizations." Paper presented at the annual meeting of the American Political Science Association, Hyatt Regency Chicago and the Sheraton Chicago Hotel and Towers, Chicago, IL, Aug 30, 2007.

  • Daniel Norman, Islam and the West: The Making of an Image. Oxford (UK) / Chatham (NY): Oneworld, 1993.

  • Edward Said, Orientalism. New York: Vintage Books, 1979. (Reprint)

  • Edward W. Said, Covering Islam : How the Media and the Experts Determine how we See the Rest of the World. New York, Vintage Books, 1997. (Rev. edition)

  • Edward W. Said, "The Clash of Ignorance," in: The Nation, 22 October 2001.

  • Richard Waswo, The Founding Legend of Western Civilization: From Virgil to Vietnam. Hanover (NH): Wesleyan University Press / University Press of New England, 1997.

  • Bradley C. S. Watson, The West at War. Lanham (MD): Lexington Books, 2006.

Online-Ressourcen:

N.B.: Eine Anführung in den Literaturhinweisen bedeutet nicht notwendigerweise, daß sich der LV-Leiter mit den Inhalten des jeweiligen Werkes identifiziert. Dies gilt auch für die Inhalte der unter "Online-Ressourcen" angeführten Webseiten.

Modus:

Referat mit schriftlicher Arbeit, welche spätestens zum Ende der Lehrveranstaltungsperiode in digitaler Form (mit einem Ausdruck) abzugeben ist. Für das Referat muß ein Abstract vorbereitet werden. Die Themenliste wird in der Vorbesprechung erarbeitet. Von den Teilnehmern werden gute Englischkenntnisse erwartet. Eine Teilnahme ist nur im Zusammenhang mit einem Referat möglich. Für die Benotung werden neben der schriftlichen Arbeit auch das Referat und die Diskussionsteilnahme berücksichtigt.

Persönliche Anmeldung erforderlich!

Vorbesprechung: 6. Oktober 2009, Dienstzimmer von Prof. Köchler.